Disruptive Innovationen entstehen immer am unteren Ende des Marktes

Warum europäische Unternehmen in Afrika dabei sein müssen, Teil 3

„Unsere Kunden wechseln nicht mehr in das zentrale Stromnetz, selbst wenn sie nach vielen Jahren des Wartens endlich die Möglichkeit dazu haben“, sagt mir der für Innovationen zuständige Manager von Mobisol. „In einem der Dörfer hatten wir einige hundert „off-grid Solarsysteme“ installiert und als das Dorf an das zentrale Stromnetz angeschlossen wurde haben nur sechs Kunden bei uns gekündigt. Fünf davon sind nach kurzer Zeit sogar wieder zurückgekommen.“

Off-Grid Solaranlagen

Mobisol ist ein in Deutschland gegründeter und in afrikanischen Ländern tätiger Anbieter von „Off-Grid Solaranlagen“. Das sind hochinnovative, nicht ans zentralen Stromnetz – aber ans mobile Telefonnetz! – angeschlossene Kleinanlagen zur Stromversorgung. Solarpanel, Batterie, Lichtinstallation, eventuell ein Fernseher oder ein Radio und eine Steuereinheit mit SIM-Karte werden auf Kredit verkauft.

Rückzahlungen erfolgen mit mobilem Geld über Steuereinheit und Mobilfunknetz. Der Status der Rückzahlungen ist jederzeit ablesbar. Besichert ist die Anlage durch die Möglichkeit, diese von außen – über das Mobilfunknetz – abzuschalten.

Etwas Neues ist im Entstehen

Die überraschende Erkenntnis, dass Kunden diese kompakte Kleinsolaranlage dem Anschluss an ein zentrales Stromnetz vorziehen, hat gute Gründe: Vermeiden der Stromausfälle des zentralen Netzes, Unabhängigkeit und wohl auch Stolz ein eigenes System zu besitzen.

Mittlerweile haben im östlichen Afrika  über 600.000 ländliche Haushalte eine derartige Stromversorgung. Anzahl stark steigend. M-Kopa, ein kenianisches Unternehmen in das mittlerweile über 50 Millionen USD an britischen und US-amerikanischen Risikokapital investiert wurden, ist Marktführer. Weitere Anbieter sind Off Grid Electric, Bboxx, Azuri Technologies und eben Mobisol. Mobisol hat alleine schon über 1000 Mitarbeiter. Insgesamt dürften die Anbieter von  Off-grid Solaranlagen schon an die 10.000 Personen beschäftigen.

Die Off-Grid Solaranalgen sind eine disruptive  Innovation. Neue Kundengruppen werden mit neuen Lösungen zur Stromversorgung bedient. Im Gegensatz zu Effizienz– oder Instandhaltungsinnovationen werden dabei zusätzliche Märkte, Arbeitsplätze und Einkommen geschaffen.

Marktschaffende Innovationen sind immer auch „zerstörerisch“. Sie brechen Strukturen auf und schicken oftmals als unverwundbar geltende Unternehmen oder ganze Branchen in den Abgrund. So wie der Computer jeden großen Schreibmaschinenhersteller ausgelöscht hat und die digitale Fotografie die damaligen Giganten der traditionellen Fotoherstellung.

Noch werden die neuen Stromanbieter von den großen Energieversorgungsunternehmen nicht wahrgenommen. Doch scheinen vor allem Kenia und Tansania zu Testmärkten für zukünftige „intelligente“ dezentrale Stromnetze geworden zu sein. Jedenfalls investieren amerikanischen Unternehmen bereits in kleine alternative Stromversorger in Kenia und wenden dabei auch die moderne Block-Chain Technologie für die Steuerung der Netze an.

Disruptive Innovationen

Arbeitsplätze schaffende Innovationen entstehen immer am unteren Ende des Marktes, sagt Clayton Christensen, der Vater der Theorie der disruptiven Innovation. Während sich die großen marktführenden Unternehmen auf das Bedienen der vielen anspruchsvollen Kunden konzentrieren, entstehen die neuen Lösungen und Angebote bei den weniger wohlhabenden Kunden. Dort werden Dinge ausprobiert und weiterentwickelt. Dann steigt die Qualität, bis der kleine Nischenmarkt zum Massenmarkt wird und die vormals hochwertigen Produkte aus dem Markt wirft.

Europäische Unternehmen müssen bei den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen Afrikas auch deswegen dabei sein, um bei den disruptiven Innovationen mitzuwirken. Denn dort werden die Arbeitsplätze der Zukunft geschaffen.


 

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, warum und wie wir in Afrika dabei sein sollten, folgen Sie uns:

In Afrika agil vernetzen

Am 29. Mai 2017 in Wien beim Seminar „In Afrika agil vernetzen“

Global Innovation Expert

Am 19./20 Oktober 2017 in Nairobi beim Global Innovation Expert Seminar

 

Oder bei einem Vortrag am 17. Mai 2017 in Wien:
„SILICON SAVANNAH – WARUM WIR IM DIGITALEN AFRIKA DABEI SEIN MÜSSEN“

Corporate Culture Jam

 

 

 


 

Hans Stoisser als Autor:

Der schwarze Tiger – Was wir von Afrika lernen können

von Hans Stoisser, Kösel Verlag,
ISBN 978-3-466-37125-9

 

Der schwarze Tiger - Was wir von Afrika lernen können

 

 

 

 

 

 

 

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