Sim Tshabalala – Was wir von afrikanischem Management lernen können

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„Die Menschen auf der Welt haben mehr gemeinsam, als uns bewusst ist“, sagt Sim Tshabalala, Group CEO der Standard Bank Group. Mit Blick auf Afrika und bei aller Gefahr, zu sehr zu verallgemeinern, fallen jedoch zwei Dinge auf:

  1. „Afrikanische Menschen sind stärker mit ihren Familien, ihren Gemeinschaften, ihrer Geschichte und sogar mit dem Kosmos verbunden als die meisten anderen Menschen.“
  2. „Afrikaner legen sehr viel Wert auf Würde“, ihre eigene und die ihrer Mitmenschen.

Deshalb glauben afrikanische Geschäftsleute in der Regel, dass der Zweck ihres Unternehmens und damit ihres eigenen Tuns ein höherer ist, der etwas mit der Welt außerhalb ihres Unternehmens zu tun hat. „Afrikaner haben Unternehmen immer schon als ein ‚Organ der Gesellschaft‚ gesehen“.

Sim Tshabalala bezog sich mit dieser Formulierung auf den bekannten Management-Denker Peter Drucker. Dieser hatte bereits in den 1970er Jahren auf ein großes Missverständnis hingewiesen: die Annahme, dass Gewinnmaximierung als Zweck eines Unternehmens angesehen werden kann. Der Zweck eines Unternehmens muss in der Gesellschaft liegen. Unternehmen leisten einen gesellschaftlichen Beitrag. Der Gewinn ergibt sich aus diesem Beitrag zur Gesellschaft – und nicht umgekehrt.

Sim Tshabalala erläuterte seine Gedanken in einer Keynote anlässlich der Eröffnung des East Africa Management and Innovation Forum.

EAMIF – East Africa Management and Innovation Forum

Das erste EAMIF fand am 6. April 2022 online statt. Zia Manji und sein Team von Career Connection veranstalteten das Event in Nairobi. Career Connections ist eine der führenden Executive Search und Managementberatungsunternehmen in Ostafrika. Sie organisierten das Forum in Partnerschaft mit dem Global Peter Drucker Forum (GPDF) aus Wien.

Zia Manji at EAMIF - East Africa Management and Innovation Forum

Ich war einer der Initiatoren. Unser Ziel war es, afrikanische Managementpraktiker mit global anerkannten Managementdenkern zusammenzubringen. Dank des großen Interesses afrikanischer Unternehmen und dank des GPDF ist dies Zia u8nd seinem Team eindrucksvoll gelungen.

Neben Sim Tshabalala, der eine Unternehmensgruppe mit 50.000 Mitarbeitern leitet, nahmen die CEOs von East African Breweries, Davis&Shirtcliff, M-Pesa, I&M Bank, Twiga Foods, Stanbic Bank Kenya, African Leadership Group, AzamPay und anderen teil. Sie alle managen Unternehmen, die auf den schwierigen, aber schnell wachsenden Märkten Afrikas erfolgreich sind.

Diese afrikanischen Führungskräfte trafen unter anderem auf Tal Ben-Shahar (Happiness Studies Academy), Michele Zanini (Co-Autor, Humanocracy), Curtis Carlson (Innovationspionier), Hal Gregersen (MIT’s Sloan School), Rahaf Harfoush (Digitaler Anthropologe & Autor), Tendayi Viki (Innovationsexperte). Don Tapscott, der bekannte Blockchain-Experte, hielt eine beeindruckende Abschluss-Keynote.

Das vollständige Programm der Veranstaltung finden Sie hier. Videoaufzeichnungen werden folgen.

EAMIF - East Africa Management and Innovation Forum

Learning from African Management Practitioners

Aus europäischer Sicht kann die westliche Managementwelt viel von afrikanischen Managementpraktikern lernen. In den afrikanischen Ländern wird ein riesiger Bedarf in eine stetig steigende Nachfrage transformiert. Dabei spielen Unternehmen eine entscheidende Rolle. Durch laufend neu entstehende Innovationen schaffen sie einen Mehrwert für Kunden. Neue Märkte und zusätzliche Einkommen werden generiert. Ganz im Sinne Peter Druckers „to create the customer“.

Um dabei erfolgreich zu sein, braucht ein Unternehmen, implizit oder explizit, ein klares Bewusstsein für seinen Unternehmenszweck. Und wie Sim Tshabalala in seiner Keynote betonte, mussten afrikanische Geschäftsleute nie davon überzeugt werden, dass ihre Unternehmen von einem höheren Zweck geleitet werden. Einem Zweck, der wichtiger als das Gewinnstreben ist.

Hans Stoisser at EAMIF - East Africa Management and Innovation Forum

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