Entwicklungszusammenarbeit neu denken

Eingeladen zur Neos-Alde Konferenz am 27.11. in Wien.

Braucht Afrika morgen noch Entwicklungshilfe?

… wurde ich im Rahmen der Podiumsdiskussion gefragt.

Die kurze Antwort: Die humanitäre Hilfe verdoppeln, den Rest in eine Vernetzungs- und Migrationspolitik transferieren.

Warum?

Mit wenigen Ausnahmen ist die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) nicht mehr wirksam: Zu zentralistisch, planwirtschaftlich, bürokratisch. EZA ist ein in sich abgeschlossenes System geworden, das an sich selbst berichtet, sich selbst evaluiert und sich selbst ein gutes Zeugnis ausstellt.

Das hat systemische Gründe: Oben werden in das System Entwicklungshilfe Geldmittel hineinbezahlt, unabhängig davon was unten rauskommt. Warum?

Zahler (Regierungen der Geberländer, Spender) und Nutzer (Zielgruppe in afrikanischem Land) sind unterschiedliche Personen. Das Aufbringen von Geldmitteln hängt von unserem Afrikabild und unserer Wahrnehmung des Nachbarkontinents ab. Und nicht davon, was dort wirklich passiert, wie die Mittel verwendet werden oder was dabei herauskommt.

(Das beste Beispiel ist der Ruf nach Bekämpfung der Fluchtursachen der afrikanischen Migration, die sich aber gar nicht „bekämpfen“ lassen. Siehe hier.)

Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit

Die Mitgliedsländer der EU geben derzeit jährlich etwa 74 Mrd USD für die Entwicklungszusammenarbeit aus. Etwa 10% bis 15% davon gehen in die humanitäre Hilfe. Das sind direkte Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgewirkungen von Kriegen, Hungersnöten und sonstigen Katastrophen.

Der Rest geht in die langfristige Armutsbekämpfung. Also in Programme zur Verbesserung des Gesundheits- und Bildungswesens, der Infrastruktur, der Wirtschaftsentwicklung und vieles mehr.

Natürlich dürfen wir nicht alle diese Finanzierungen von heute auf morgen stoppen. Aber längerfristig müssen wir raus aus dem Denken in einseitigen Hilfsleistungen.  Längst haben die afrikanischen Regierungen und die afrikanische Mittelschicht ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Zu Recht wollen sie sich nicht mehr bevormunden lassen.  Und kein Land der Welt hat sich jemals mit Entwicklungshilfe entwickelt.

Unglaubwürdig geworden

Nicht nur sind mittlerweile die Rücküberweisungen und der Know-how Transfer der afrikanischen Diaspora , die Industrialisierung durch chinesische Unternehmer und überhaupt das lokale Unternehmertum (mobiles Geld, digitales Afrika) für die Entwicklung afrikanischer Länder wichtiger als Entwicklungshilfe. Europa macht sich mit seinem doppelten Standard auch unglaubwürdig: hier Entwicklungshilfe zum Nutzen der afrikanischen Länder, dort Handelspolitik zum eigenen Nutzen.

Auch das hat China bei seinem Siegeszug in Afrika unterstützt. Mit der chinesischen Regierung und mit chinesischen Unternehmen machen immer mehr Afrikaner und Afrikanerinnen immer lieber (gute) Geschäfte. Das staatskapitalistische Modell Chinas ist zum großen Vorbild geworden.

Europa muss raus aus dieser Politik der Doppelmoral. Wir sollten die eigenen Interessen offen legen und die Interessen, die wir gemeinsam mit afrikanischen Länder haben, in den Mittelpunkt unserer Politik stellen.

Vernetzungs- und Migrationspolitik

Unsere Entwicklungszusammenarbeit sollten wir dabei in eine offene Vernetzungs- und Migrationspolitik transferieren.

Vernetzung dort. Europas Jugend, Institutionen und Unternehmen müssen breit und dezentral ausschwärmen und sich in den afrikanischen Ländern verbünden, vernetzen und Geschäfte zum beiderseitigen Vorteil machen.

Immigrationspolitik hier. Legale Wege öffnen, die genau den Afrikanern und Afrikanerinnen eine Chance geben, die hier am besten einen Beitrag leisten können und am ehesten ihr persönliches und wirtschaftliches Glück finden werden.

 

 

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