Zeitenwende

 – Was Europa in Afrika verpasst

Unter diesem Titel hielt ich am Europatag der Paneuropa-Union Deutschland letzten Samstag eine einstündige Rede. Ganz traditionell, ohne Powerpoint. – Für die ungeteilte Aufmerksamkeit der kanpp 100 Zuhörer bedanke ich mich.

Regelmässige Afrika Besucher wissen, dass sich das Leben am Kontinent rasant verändert. Aber die, die nicht direkt mit Afrika zu tun haben und ihre Informationen nur über die öffentlichen Medien beziehen, bekommen davon wenig mit.

Der Globalisierungsschub nach dem Ende des Kalten Krieges und die digitale Transformation sind die Treiber der Veränderungen in den afrikanischen Ländern. Die Wirtschaften haben „angedockt“ an die globale Wertschöpfungsnetzwerke (bzw. die „Ökosysteme“, wie man heute sagt) und die neue Mittelschicht hat sich „eingeloggt“ in die globale Wissens- und Kommunikationsgesellschaft. Ganz Neues ist im Entstehen.

Zeitenwende

Die große Gemeinsamkeit afrikanischer Gesellschaften war über Jahrtausende hinweg die Isolation der Gesellschaften untereinander und nach außen. Das das hat sich aus der Geografie und der Weite und schieren Größe des Kontinents ergeben.
(Eine Isolation, die wahrscheinlich auch Teil der Faszination Afrikas ausmacht.)

In den letzten zwei Jahrzehnten aber ist die große Gemeinsamkeit der afrikanischen Länder ihr Einloggen in und Andocken an die globale Gesellschaft.

Vernetzung statt Isolation, das ist die neue Realität.

Eine Zeitenwende.

networked global society

Was wir verpassen, wenn wir diese Zeitenwende nicht erkennen …

… sind nicht nur paar Prozentpunkte an Exportwachstum.

Wir verpassen …

… den Anschluss an die Dynamiken der globalen Mittelschicht, dort wo eine riesige Nachfrage auf einen neu vernetzten Raum mit neuartigen Möglichkeiten trifft. Europa verliert so direkt Einkommen und Arbeitsplätze.

… zu lernen, wie sich die digitale Transformation auf die Bedürfnisse der Menschen anpasst. Weil eben alte Technologien und Besitzstände in afrikanischen Gesellschaften viel weniger Hindernis sind und uns diese Länder zeigen, wie es auch gehen kann.

… dort dabei zu sein, wo marktschaffende Innovationen gelingen. Das sind Innovationen, die Arbeitsplätze und Einkommen schaffen. Wie mobiles Geld oder Off-Grid Solar Systeme.

…zugleich mit afrikanischen Organisationen die globale Gesellschaft mitzugestalten und einen Beitrag zur afrikanischen Entwicklung zu leisten.

Bitte umdenken!

Die gute Nachricht: Es ist nicht Europas Aufgabe, Afrika zu entwicklen. Die Menschen der neuen Mittelschicht in afrikanischen Ländern haben ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Sie wissen viel besser als wir, was sie wollen und was zu tun ist.

Die weniger gute Nachricht: Wenn wir die Zeitenwende nicht erkennen und  bei den Dynamiken in Afrika immer weniger dabei sind, droht Europa selbst zum abgehängten Kontinent werden.

Was tun?

Wir können Angebote machen, gemeinsam etwas zu „unter-nehmen“. Auf Augenhöhe. Angebot, die unsere Partner in afrikanischen Ländern begeistern.

Nur dann werden immer mehr europäische Unternehmen, Organisationen und Institutionen ausschwärmen und sich mit afrikanischen Organisationen vernetzen, verbünden und gute Geschäfte zum beiderseitigen Vorteil machen.

 

 


Mehr erfahren ?

In Afrika agil vernetzenBeim Workshop In Afrika vernetzen am 23. Jänner in Wien beschäftigen wir uns mit den Feinheiten afrikanisch-europäischer Beziehungen auf Unternehmensebene. Mit erfahrenen Praktikern diskutiere ich die Besonderheiten von Geschäftsmodellen, grundsätzliche Herangehensweisen, wichtige Prinzipien.


Hans Stoisser als Autor:

Der schwarze Tiger - Was wir von Afrika lernen können

 

 

 

 

 

 

 

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