Die Zukunft Afrikas

„Zukunft erkennen / gestalten“

So lautet der Titel der Festschrift, die den Politiker und Industriellen Hannes Androsch zum 80. Geburtstag ehrt. Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Politik und Wissenschaft versuchen sich in Antworten auf brennende Fragen.

 

Wie werden sich Europa und die Welt in den nächsten Jahrzehnten verändern? Werden unsere Enkelkinder noch in herkömmlichen Schulen unterrichtet? Was bedeutet die Verbreitung von Augmented Reality und Virtual Reality? Wie wirkt sich komplexer werdende künstliche Intelligenz auf unser Menschenbild aus?

Und: Wie wird die Zukunft Afrikas aussehen?

Dazu durfte ich einen Beitrag verfassen:

 

China ist schon dort

Die Zukunft Afrikas

Die UN prognostiziert gegenwärtig eine Verdopplung der derzeit 1,2 Milliarden Afrikanerinnen und Afrikaner bis 2050 und eine Vervierfachung bis zum Ende unseres Jahrhunderts. 18 Millionen Arbeitsplätze müssten jährlich geschaffen werden, so die Aussage, um die auf den Arbeitsmarkt drängenden jungen Menschen mit Arbeit und Einkommen zu versorgen.

Kann angesichts dieser Herausforderungen die Zukunft Afrikas etwas anderes als Misere, Elend und fortschreitende Ver- armung sein?

Sie wird es sein.

Die Zukunft Afrikas wird nicht so aussehen, wie Sie, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, es sich heute vorstellen, sollten Sie keinen direkten Bezug haben und nicht regelmäßig in afrikanische Länder reisen. Denn in der europäischen Öffentlichkeit bekommen Sie die für ein klares Bild relevanten Informationen nicht.

Angedockt an die Weltwirtschaft

Haben Sie zum Beispiel gewusst, dass das südafrikanische Unter- nehmen Shoprite mittlerweile in fünfzehn afrikanischen Ländern über 2600 Supermärkte betreibt? Ganz normale Supermärkte, mitten in der afrikanischen Steppe?

Ähnlich wie die österreichischen Handelsketten in den 1990er-Jahren Ost- und Südosteuropa erobert haben, haben die südafrikanischen Unternehmen Shoprite, Pick’n Pay und Massmart fast zeitgleich ins südliche, östliche und dann auch westliche Afrika expandiert. In den 1990er-Jahren habe ich die Einführung der Supermärkte in Mosambik miterlebt und damit auch einen Preissprung nach unten bei Lebensmitteln und Waren des alltäglichen Bedarfs. Fleisch wurde für viele erstmals leistbar, genauso wie Zahnbürsten und viele andere Hygieneartikel.

In der europäischen Öffentlichkeit wurde nicht über derartige Entwicklungen berichtet. Denn das bei uns vorherrschende Bild eines Kontinents der Krisen, Kriege und Katastrophen lässt Negativmeldungen den Vortritt.

Dabei war die Expansion der Supermarktketten ein Ereignis mit Zukunftswirkung. Schon in den 1990er-Jahren deutete sich damit an, was mittlerweile Realität geworden ist: der Anschluss der afrikanischen Länder an die globalen Wertschöpfungsketten und ihr Andocken an die Weltwirtschaft. Damit ging eine Verdreifachung der Wirtschaftsleistung Subsahara-Afrikas und die Verdoppelung des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens zwischen 2000 bis 2015 einher. Wie auch ein deutlicher Rückgang der extremen Armut.

Afrika hinkt dem weltweiten Rückgang der Armut zwar nach, aber der Anteil der extrem Armen ging von 57 Prozent im Jahr 1990 auf 35 Prozent im Jahr 2015 zurück. Und trotz steigender Bevölkerung sinkt mittlerweile auch die absolute Zahl der Menschen in extremer Armut: laut Schätzungen der Weltbank von 393 Millionen im Jahr 2011 auf 347 Millionen im Jahr 2015.

Die andere Geschichte

Die immer ärmer werdenden Afrikanerinnen und Afrikaner versuchen einer immer größeren Misere auf ihrem Kontinent zu entkommen und landen deswegen in Schlauchbooten in Griechenland und Italien. Das ist die Geschichte, die wir uns erzählen.

Aber wir sollten genauer hinschauen. Weil in Afrika immer mehr Menschen aus der Armut herauskommen, sie nicht mehr in jahrhundertealter Tradition Subsistenzbauern sein müssen, sie ihre gesellschaftliche Position plötzlich verändern können, nehmen immer mehr von ihnen ihr Schicksal selbst in die Hand und versuchen ihr Glück zum Beispiel auch im fernen Europa.

Europa ist und bleibt dabei eine große Attraktion. Denn die Wohlstandsunterschiede bleiben ja trotz positiver Entwicklung bestehen, sie sind nur nicht mehr ganz so gewaltig wie bisher.

Wenn unsere Medien von herzzerreißenden Einzelschicksalen berichten, verlieren wir allzu leicht den Blick auf das große Ganze: das Zusammenwachsen der Welt und den damit verbundenen Anstieg des materiellen Wohlstandes in fast allen Weltgegenden.

Der Nobelpreisträger Angus Deaton beschreibt das als die „Flucht der Menschheit aus Armut und Krankheit“. Er hat in minutiöser wissenschaftlicher Arbeit die Wohlstandsentwicklung auch in afrikanischen Ländern untersucht.

Dahinter stehen eine zunehmende Arbeitsteilung, der zunehmende Handel und die zunehmende Vernetzung als eine jahrtausendealte Konstante der Menschheitsgeschichte. Nun wurde diese Entwicklung endgültig auf globale Ebene gehoben und ist auch in den afrikanischen Ländern angekommen.

 

… den gesamten Artikel finden Sie hier im pdf FormatZukunft erkennen gestalten

 

 

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