Das andere Afrika

Ein Kontinent modernisiert sich in atemberaubenden Tempo. Europa könnte davon lernen.

Zum ersten Mal war ich Mitte der Neunzigerjahre in Mosambik, damals für ein Projekt der Entwicklungszusammenarbeit. Ich sollte beim Aufbau von Gemeindeverwaltungen helfen. Dafür wurde ich nach Beira geschickt, der zweitgrößten Stadt des Landes, gelegen an der Mündung des Pungwe-Flusses in den Indischen Ozean. Der Bürgerkrieg war erst 1992 zu Ende gegangen, die Stadt heruntergekommen. Viele Häuser waren zerstört, viele Menschen lebten auf der Straße, es gab kaum Autos. Als ich Jahre später wieder zurückkam, war ich erstaunt darüber, wie sich Mosambik und der ganze afrikanische Kontinent gewandelt hatten.

Die Wirtschaftsleistung Afrikas südlich der Sahara hat sich zwischen 2000 und 2015 von etwa 1,2 Billionen Dollar auf 3,5 Billionen Dollar knapp verdreifacht. Seit dem Verfall des Rohölpreises 2015 hat sich der Aufschwung allerdings spürbar verlangsamt. Daher müssen, wenn vom Aufstieg des Schwarzen Kontinents gesprochen wird, kurzfristige Schwankungen von großen Trends unterschieden werden.

So hat die Entwicklung der Region südlich der Sahara bis 2015 vor allem in den Rohstoff produzierenden Ländern stattgefunden. Nigeria, die größte Volkswirtschaft des Kontinents mit 180 Millionen Einwohnern, hat einen bedeutenden Anteil daran. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes hat sich im genannten Zeitraum vervierfacht. Die Hauptstadt Lagos, ein dynamisches Finanz- und Geschäftszentrum mit den Studios in „Nollywood“, wo mehr Filme produziert werden als in den USA, steht in krassem Gegensatz zum nördlichen Teilstaat Borno, bis vor Kurzem Hauptaktionsgebiet der Terrorgruppe Boko Haram. Doch Nigeria, das stark vom Erdöl abhängt, leidet enorm unter dem Preisverfall. Schlimmer noch erging es Angola, dem größten Erdölproduzenten Afrikas, der jüngst die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten hat.

Besser stehen die ostafrikanischen Länder da. Kenia, Tansania und Uganda haben seit dem Jahr 2000 ihre Pro-Kopf-Einkommen verdoppelt. Die drei ostafrikanischen Nationen sind Teil einer Ländergruppe, der auch Äthiopien, Ghana, Senegal und Benin angehören. In all diesen Staaten hat ein Wandel stattgefunden, ist Neues entstanden, was die Wirtschaft des Kontinents in Zukunft prägen wird – auch wenn sich das Wachstum fast überall zuletzt verlangsamte.

Am bedeutendsten ist wohl, dass eine neue Generation herangewachsen ist, die offen ist und am Weltgeschehen ebenso teilnimmt wie ihre Altersgenossen in Europa, Asien, Lateinamerika oder den USA. Sie sind Bauingenieure, Architekten, Mediziner, Ökonomen – in den afrikanischen Hauptstädten sitzen sie als Sachbearbeiter, Abteilungsleiter und politische Referenten in den Ministerien und als Techniker und Manager in den Telefongesellschaften, Wirtschaftsprüfungskanzleien und technischen Büros.

Eine neue Mittelschicht ist entstanden. Verlässliche Daten, die einen Überblick über sie geben, sind rar. In einer Umfrage in elf Ländern kam die südafrikanische Standard Bank auf einen Anteil von 14 Prozent der Haushalte, die mehr als 5500 Dollar jährlich verdienen.

Afrika ist nicht gleich Afrika. Aber bei allen Unterschieden zwischen den einzelnen Staaten gibt es eine Gemeinsamkeit: Der in den vergangenen beiden Jahrzehnten entstandene Zugang zur globalen Wissensgesellschaft ist eine einschneidende Veränderung. Die Möglichkeit, auf Information, Technik und Netzwerke zuzugreifen, ändert viel. …

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Wie sich Europa in den afrikanischen Ländern neu orientieren könnte, die Beziehungen zu Ihnen als Chance für eine neue Außenorientierung nutzen kann, auf Basis seiner humanistischen Werte, der fortschrittlichsten Friedensstruktur der Welt und seiner Hidden Champions der Realwirtschaft, beschreibe ich in meinem Buch:

Der schwarze Tiger – Was wir von Afrika lernen können

von Hans Stoisser, Kösel Verlag,
ISBN 978-3-466-37125-9

 

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