Shareholder Value Denken in Österreich

7 Jahre Finanzkrise: nichts gelernt?“, titelt das INDUSTRIEMAGAZIN. „Im Schnitt orientieren sich die in Wien notierten Unternehmen bei der Steuerung ihres Geschäfts seit 2008 stärker am Aktionärswert als vor der Krise.“ Das INDUSTRIEMAGAZIN bezieht sich auf eine Studie der FH Steyr, die das Verhalten der 20 ATX Unternehmen im Jahresvergleich 2007 mit 2012 analysiert hat.

Interessent. Man hätte doch annehmen können, dass die großen österreichischen Unternehmen ihr Verhalten etwas mehr an ihren Kunden, den Problemen der Kunden oder der Attraktivität für Mitarbeiter ausrichten. Denn die aus der Finanzwirtschaft hervorgegangene Krise hatte doch gezeigt wohin die reine Gewinnorientierung führt: zu einem zum Selbstzweck gewordenen Wirtschaften, bei dem der Gewinn des Einen den Verlust des Anderen bedeutet.

Wie kann also ein solches Studienergebnis erklärt werden?

Vielleicht korreliert das Verhalten der Unternehmen auch nicht mit der Berichterstattung der Unternehmen, die in der Analyse untersucht wurde. Vielleicht handeln die Unternehmen im Tagesgeschäft anders als sie in ihren Geschäftsberichten schreiben. Womöglich versuchen sie ja im Tagesgeschäft vermehrt ihre Kunden zufrieden zu stellen, in ihrer finanziellen Berichterstattung aber heben sie gegenüber den Aktionären die eigene Profitabilität hervor. Vielleicht. Wäre nicht ganz unwahrscheinlich.

Jedenfalls scheint die Diskussion schief zu laufen und die Menschen reden aneinander vorbei. Dass das Shareholder Value Denken zu einem kurzfristig orientierten Handeln geführt hat („Sklaven der Quartalsberichte“) sind sich noch alle einig. Teilweise auch noch, dass dies längerfristig nicht nur schlecht für die gesamte Gesellschaft sondern auch für die Unternehmen selbst ist. Denn für die kurzfristige Gewinnsteigerung werden Investitionen aufgeschoben, die dann längerfristig die eigene Wettbewerbsfähigkeit vermindern.

Dass aber der Kern des Shareholder Value Konzepts, das den Zweck von Unternehmen in der Gewinnmaximierung bzw. der Steigerung des eigenen Unternehmenswertes sieht, nicht falsch sein kann, wird noch immer von vielen angenommen.

Dabei gibt es mittlerweile eine ziemlich große Bewegung, die versucht den kleinen Unterschied mit den großen Auswirkungen zu vermitteln. Stellvertretend seien hier  Clayton Christensen,  Roger Martin,  Gary Hamel oder Steve Denning genannt. Das Global Peter Drucker Forum hat sich dabei zu einer Plattform für den Ruf nach einem neuen Management gemacht.

Auch wenn alle Unternehmen das gleiche tun und Gewinne (oder Verluste) erwirtschaften, tun die einen es weil sie in den Gewinnen den Zweck ihres Tuns sehen. Die anderen tun es, weil sie Lösungen und damit Werte für Kunden schaffen. Die einen wirtschaften also trotz der Kunden und die anderen wegen der Kunden. Selbstzweck hier, Möglichkeit zu sinngebender Arbeit dort. Das ist der kleine Unterschied mit der ultragroßen Auswirkung.

Siehe dazu auch: Zweck einer Organisation

 

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