Mosambik – warum es den alten Krieg nicht mehr geben kann

Maputo, 24.10.2013. – „In Mosambik sollen wir 21 Jahre erfolgreichen Wiederaufbau und wirtschaftliche Entwicklung aufs Spiel setzen?“, fragt mein Gegenüber. Und gibt sich gleich selbst die Antwort: „Nie im Leben!“. Wir sitzen im Sabores, einem soeben eröffneten Restaurant in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, dem Vorzeige- und Boom Land im südlichen Afrika. Das Restaurant ist gut gelegen zwischen den Bürokomplexen des neuen Geschäftsviertels an der „Avenida 25 de Setembro“. Das gut 200 Personen fassende Lokal wäre eine Bereicherung für jeden modernen Flughafen. Modisch gekleidete Geschäftsleute, die neue Mittelschicht vermischt mit europäischen, amerikanischen und chinesischen Expats. Niemand schaut auch nur im Entferntesten besorgt aus.

„Der Frieden ist vorbei“, hat die deutsche TAZ am 22. Oktober 2013 getitelt. „Jetzt wird gekämpft.“ Nachdem es in den letzten Monaten eine Handvoll Überfälle von Kämpfern der Oppositionspartei RENAMO gegeben hat, Menschen dabei ums Leben gekommen sind, hat am Tag zuvor die Armee des Landes den Posten der RENAMO im Gliedstaat Sofala gewaltsam geräumt. Die RENAMO hat daraufhin das Friedensabkommen aufgekündigt und einige ihrer Kämpfer haben eine Polizeistation angegriffen, ohne jedoch Schaden anzurichten. Unter #Mozambique und #RENAMO gehen seitdem auf Twitter minütlich Meldungen ein, Journalisten schreiben vom Ende des 21jährigen Friedens in Mosambik, conflict-watch Dienste melden das Wiederaufflammen des Bürgerkriegs, NGOs sehen die Kinder und Frauen des Landes bedroht.

Krieg in Mosambik bis 1992

1992 endete der sechszehnjährige Bürgerkrieg in Mosambik. Die Rebellengruppe der RENAMO, unterstützt zunächst von Rhodesien, dann von der Apartheitregierung Südafrikas, kämpfte gegen die Regierung der damals marxistischen FRELIMO. Der Krieg ging nicht nur wegen der fehlenden ausländischen Unterstützung zu Ende, die mit dem Ende des kalte Kriegs verebbte, sondern auch aus reiner Erschöpfung und Auslaugung. Der Grausamkeiten gab es genug, von Verstümmelungen, Massenvergewaltigungen bis zum Einsatz von Kindersoldaten.

Das ist jetzt über 21 Wiederaufbau- und Boomjahre her. Die FRELIMO hat sich mittlerweile als politische Partei den Gegebenheiten eines modernen Staatswesens angepasst. Sie hat einen Führungswechsel erfolgreich vollzogen, von Joaquim Chissano zum jetzigen Staatspräsidenten Armando Guebuza. Sie entsendet politische Profis und Fachleute in die Regierung.

Anachronistischer „Big Man“

Im Gegensatz dazu ist es der RENAMO nie gelungen eine gestaltende politische Kraft in Mosambik zu werden. Anfänglich hatte sie noch ein paar Bürgermeister, heute boykottiert sie die Wahlen. Damit schloss sie sich selbst von der Mitgestaltung des Landes aus. Nach 21 Friedensjahren ist der autoritär agierende Parteichef der selbe wie zu Kriegszeiten. Afonso Dhlakama konnte sich den neuen Gegebenheiten nicht anpassen und hat die Partei und sich selbst ins Abseits geführt. Jetzt wird er von seinen eigenen Leuten bedrängt, die ihren Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung des Landes haben wollen. Und greift auf die alten Methoden der Gewaltanwendung zurück. (dazu Joseph Hanlon)

Das anachronistische Verhalten eines der letzten „Big Man“ ist ein Symbol dafür, wie sich Afrika verändert hat. Während allein in Mosambik Millionen von Menschen geschäftig ihren Arbeitsalltag verrichten, abends die Einkaufszentren stürmen, immer mehr internationale Geschäfte in den Glaspalästen der Hauptstadt abgeschlossen werden, das moderne Jet-Set längst Einzug gehalten hat, monatlich neue Straßen, Häfen, Eisbahnlinien oder Flughäfen eröffnet werden, zieht sich ein alternder Kriegsherr mit einigen hundert altmodisch ausgerüsteten Kämpfern in den Busch zurück.

End of History

Der Widerstreit der Ideologien ist längst zu Ende, wir haben das Ende zumindest dieser Geschichte erreicht (Francis Fukuyama). Marktwirtschaft und Demokratie haben eine neue Qualität der materiellen Versorgung, der Staatsleistungen und überhaupt des Zusammenlebens gebracht. Mosambik ist in den letzten Jahrzehnten, wie viele andere Länder Afrikas auch, fester Bestandteil der globalisierten Weltgesellschaft geworden.

Den alten Bürgerkrieg kann es in Mosambik nicht mehr geben. Das zeigt schon allein die Tatsache, dass im Moment eine verbreitete Unzufriedenheit mit der FRELIMO Regierung wegen der fehlenden „checks and balances“ und der sich verstärkenden Ungleichheit im Land herrscht, aber gleichzeitig die RENAMO keinen Zuspruch erhält.

Das Land ist ein anderes geworden, seine Menschen sind andere geworden. Dhlakama ist ein letzter, verzweifelter Despot, der sich nicht mehr ändern kann. Seine Partei, die RENAMO, wird womöglich versuchen, das Land durch terroristische Attacken zu destabilisieren. Dazu braucht es nicht viel. Ob sie aber eine solche Strategie längerfristig durchhalten könnte, ist zu bezweifeln. Derzeit hat sie jedenfalls die gesamte Bevölkerung und die Regierungen der Nachbarstaaten vehement gegen sich.

Eine Antwort auf „Mosambik – warum es den alten Krieg nicht mehr geben kann“

  1. Ob die Lage in Mosambik ruhig bleibt, das wird jetzt nicht mehr vom alten Kriegsherrn abhängen, sondern davon, ob extreme Muslime den Wahnsinn à la Somalia (und jetzt auch schon Kenya) nach Mosambik ausweiten werden. Dort liegt die Gefahr, nicht mehr bei den alten Ideologien. Eine (hoffentlich nicht wirksame) Grundlage gibt es ja in Mosambik, nämlich einen muslimischen Bevölkerungsanteil

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