Die Grenzen Europas und die Folgen des Klimawandels …

… standen im Mittelpunkt der dreitägigen Europäischen Toleranzgespräche 2016 in Fresach in Kärnten (11. bis 14. Mai 2016). Wenn sich die zukünftigen 9,5 Milliarden Erdenbewohner auf den heutigen westlichen Lebensstil ausrichten, wird das unseren Planeten ruinieren. Viel ist daher von Umkehr – „sich gegen die Globalisierung stellen“ – die Rede. „Afrika“ ist mein Thema in Fresach. Ich schlage eine etwas andere – durchaus optimistische – Sicht vor.

Fresach 2016: Strategien gegen die „Völkerwanderung“…

… war der Titel der Podiumsdiskussion. Fresach 2016„Ich wünsche mir eine Welt ohne Grenzen“, sagt die Literatin. „Nein, das kann niemals funktionieren“, der Rechtsgelehrte. Es wird die „Vermischung“ sein, die dem „Niemandsland der Kulturen“ seine Form gibt, meint der Philosoph Pravu Mazumdar. Die Moderne ist keine europäische, längst ein globale. Wir müssen die Migrationsströme umdeuten und positiv sehen, als logische Folge des Zusammenwachsens der Welt, meine ich. Dann könnte es uns auch gelingen, dem Wandel voraus zu sein. In die Offensive gehen und uns mit dem urbanen Afrika vernetzen. Das wäre eine rationale Strategie für Europa. Denn die Bauingenieure, Architektinnen, Medizinerinnen, Wirtschaftler und Manager in den Städten der aufstrebenden afrikanischen Länder sind unsere natürlichen Partner. Sie haben gleichgerichtete Interessen nach Sicherheit, Freiheit, Wohlstand und persönlicher Sinnerfüllung. Wir sollten auf breiter Ebene ausschwärmen und uns “dezentral” vernetzen. Das lernen wir auch von den Komplexitätswissenschaften. Denn wenn das Umfeld unübersichtlicher, unberechenbarer und vielschichtiger und damit komplexer wird, müssen auch wir selbst (Europa, der einzelne europäische Staat) “komplexer” werden. Uns breiter und vielschichtiger – also komplexer – aufstellen, als Netzwerk vieler kleiner Organisationen  auftreten. Ganz automatische entstehen dann die notwendigen Innovationen und Lösungen. Unter Einbeziehung der Schaffenskraft und Kreativität der “Vielen”. So wie die kreativen Anwendungen der Mobiltelefonie den Menschen in Afrika ganz neue Zugänge zu Kommunikation und zur Geldwirtschaft gegeben haben. Und damit einen Grundstein zum Zurückdrängen der Armut in vielen afrikanischen Staaten legten. Innerhalb der vernetzten globalen Gesellschaft müssen sich Politik und Staatsbürokratien nur als vorausblickende Rahmengeber verstehen. Und Raum lassen für Kreativität und Schaffenskraft. Nur in einer solchen Vernetzung können die für den Umgang mit dem Klimawandel notwendigen globalen Veränderungen entstehen und umgesetzt werden. Eine Global Governance kann nur ein funktionierendes Netzwerk sein. Das wäre eine neu verstandene Politik.
  Hans Stoisser als Autor: Der schwarze Tiger – Was wir von Afrika lernen können
von Hans Stoisser, Kösel Verlag,
ISBN 978-3-466-37125-9
  Der schwarze Tiger - Was wir von Afrika lernen können               Stimmen zum Buch  

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