Afrika als „Labor der Zukunft“
Bereits Realität in vielen afrikanischen Ländern ist mobiles Geld. Anfang der 2000er Jahre hatten sich die Mobiltelefone blitzartig verbreitet. Plötzlich wurden massenweise Gesprächsguthaben von Mobiltelefon zu Mobiltelefon übertragen. Die Menschen aus der Stadt transferierten Gesprächsminuten den Familienmitgliedern am Land. Und die bezahlten damit den Handwerker. Und der die Marktfrau. Und so weiter. – Das brachte den Durchbruch. Die Telefonanbieter hatten eine eigene „Währung“ geschaffen. 2007 entstand dann in Kenia M-Pesa, die erste formelle „mobile Bank“. Sie wurde zum Vorreiter einer neuen Branche und heute gibt es allein im östlichen Afrika 24 solcher Unternehmen. In Europa beginnen die Banken gerade „Bezahlen mit Handy“ anzubieten. Das im Moment besonders gehypte deutsche „Fintech“ Unternehmen Number26 hat im Jänner seinen einhunderttausendsten Nutzer gemeldet. Zum Vergleich: M-Pesa bringt es alleine auf seinem Heimatmarkt Kenia auf über 19 Millionen Nutzer und ist in weiteren sieben afrikanischen Ländern, Indien und mittlerweile auch an der Peripherie Europas, in Rumänien und Albanien, aktiv.Soziale Innovationen
In Afrika begegnen sich Globalisierung und Digitalisierung auf der „grünen Wiese“. Ein riesiger Bedarf trifft auf einen vernetzten Raum neuartiger Fähigkeiten und Technologien. Und plötzlich entstehen vorweg nicht planbare soziale Innovationen. Mit dem Mobiltelefon konnten für hunderte Millionen Menschen fast zeitgleich zwei Probleme gelöst werden: der Zugang zu Information und Kommunikation für Menschen in entlegenen Regionen und der Zugang zur Geldwirtschaft. Beides Grundvoraussetzungen für die Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben. Die Mobiltelefonie wurde zu einer Basistechnologie und verändert jetzt auch die Gesundheitsvorsorge, das Bildungssystem und viele andere Bereiche. In afrikanischen Ländern werden – im Gegensatz zu Europa – soziale Innovationen nicht von „alten“ Technologien und Besitzständen blockiert. Wenn wir Europäer nicht bei diesen sozialen Innovationen in Afrika dabei sind, verlieren wir nicht nur ein paar Prozentpunkte an Exportwachstum. Wir verlieren den Anschluss an die Dynamiken der globalen Mittelschicht und der globalen Gesellschaft.Hans Stoisser als Autor: Der schwarze Tiger – Was wir von Afrika lernen können
von Hans Stoisser, Kösel Verlag, ISBN 978-3-466-37125-9
Stimmen zum Buch
