„Zukunft erkennen / gestalten“
So lautet der Titel der Festschrift, die den Politiker und Industriellen Hannes Androsch zum 80. Geburtstag ehrt. Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Politik und Wissenschaft versuchen sich in Antworten auf brennende Fragen.
Wie werden sich Europa und die Welt in den nächsten Jahrzehnten verändern? Werden unsere Enkelkinder noch in herkömmlichen Schulen unterrichtet? Was bedeutet die Verbreitung von Augmented Reality und Virtual Reality? Wie wirkt sich komplexer werdende künstliche Intelligenz auf unser Menschenbild aus?
Und: Wie wird die Zukunft Afrikas aussehen?
Dazu durfte ich einen Beitrag verfassen:
China ist schon dort
Die Zukunft Afrikas
Die UN prognostiziert gegenwärtig eine Verdopplung der derzeit 1,2 Milliarden Afrikanerinnen und Afrikaner bis 2050 und eine Vervierfachung bis zum Ende unseres Jahrhunderts. 18 Millionen Arbeitsplätze müssten jährlich geschaffen werden, so die Aussage, um die auf den Arbeitsmarkt drängenden jungen Menschen mit Arbeit und Einkommen zu versorgen.
Kann angesichts dieser Herausforderungen die Zukunft Afrikas etwas anderes als Misere, Elend und fortschreitende Ver- armung sein?
Sie wird es sein.
Die Zukunft Afrikas wird nicht so aussehen, wie Sie, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, es sich heute vorstellen, sollten Sie keinen direkten Bezug haben und nicht regelmäßig in afrikanische Länder reisen. Denn in der europäischen Öffentlichkeit bekommen Sie die für ein klares Bild relevanten Informationen nicht.
Die andere Geschichte
Die immer ärmer werdenden Afrikanerinnen und Afrikaner versuchen einer immer größeren Misere auf ihrem Kontinent zu entkommen und landen deswegen in Schlauchbooten in Griechenland und Italien. Das ist die Geschichte, die wir uns erzählen.
Aber wir sollten genauer hinschauen. Weil in Afrika immer mehr Menschen aus der Armut herauskommen, sie nicht mehr in jahrhundertealter Tradition Subsistenzbauern sein müssen, sie ihre gesellschaftliche Position plötzlich verändern können, nehmen immer mehr von ihnen ihr Schicksal selbst in die Hand und versuchen ihr Glück zum Beispiel auch im fernen Europa.
Europa ist und bleibt dabei eine große Attraktion. Denn die Wohlstandsunterschiede bleiben ja trotz positiver Entwicklung bestehen, sie sind nur nicht mehr ganz so gewaltig wie bisher.
Wenn unsere Medien von herzzerreißenden Einzelschicksalen berichten, verlieren wir allzu leicht den Blick auf das große Ganze: das Zusammenwachsen der Welt und den damit verbundenen Anstieg des materiellen Wohlstandes in fast allen Weltgegenden.
Der Nobelpreisträger Angus Deaton beschreibt das als die „Flucht der Menschheit aus Armut und Krankheit“. Er hat in minutiöser wissenschaftlicher Arbeit die Wohlstandsentwicklung auch in afrikanischen Ländern untersucht.
Dahinter stehen eine zunehmende Arbeitsteilung, der zunehmende Handel und die zunehmende Vernetzung als eine jahrtausendealte Konstante der Menschheitsgeschichte. Nun wurde diese Entwicklung endgültig auf globale Ebene gehoben und ist auch in den afrikanischen Ländern angekommen.