„Afrika ist – entgegen medialen Darstellungen – ein Kontinent im Aufschwung„. Damit beginnt Gunther Neumann seinen Artikel in der Wiener Zeitung. Derzeit gibt es nur wenige Versuche, dieses andere Afrika – das Afrika der Vitalität und der wirtschaftlichen Dynamik – in der Öffentlichkeit darzustellen. Denn die alles überlagernde Flüchtlingsdebatte hat den Blick der Öffentlichkeit einseitig auf das Afrika der Armut und Katastrophen eingeengt. Boko Haram, Al-Shabab, Eritrea, Armutsflüchtlinge und „Millionen Afrikaner vor den Toren Europas“. Kein Wunder, wenn sich bei uns immer weniger Menschen vorstellen können, dass es außer Armut und Kriege noch etwas anderes auf dem Kontinent gibt.

Kurz vor Beginn der öffentlichen Wahrnehmung der Flüchtlingskrise sind drei Bücher zum anderen Afrika erschienen.

Christian Hiller von Gaertringen beschreibt es in seinem Buch Afrika ist das neue Asien: Ein Kontinent im Aufschwung. Er zeigt die jungen Unternehmen des Kontinents, die die Dynamik vorgeben. Die im Entstehen begriffene neue Mittelschicht. Die aufstrebenden Kapitalmärkte. Und er zeigt detailliert auf, was sich die Europäer alles entgehen lassen, wenn sie bei diesem wirtschaftlichen Aufschwung nicht dabei sind.

Die Brüder Andreas und Frank Sieren nennen ihr Buch Der Afrika-Boom: Die große Überraschung des 21. Jahrhunderts. Auch für sie ist die neue Mittelschicht der Treiber der Entwicklung. Detailliert listen sie die unglaublich große Zahl an geplanten Infrastrukturinvestitionen auf. Und – einer der Sieren Brüder lebt in China – sie beschreiben sehr genau das Vorgehen der neuen großen Macht am Kontinent: China. Der schwarze Tiger - Was wir von Afrika lernen können Und schließlich mein Buch, Der schwarze Tiger: Was wir von Afrika lernen können. Ich sehe vier Punkte die dieses neue, andere Afrika ausmachen: 1. Boom – Eine kritische Anzahl afrikanischer Länder hat eine erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung genommen und drängt die Armut in großen Schritten zurück. 2. Globale Gesellschaft – Das Big Picture und die Gemeinsamkeit der aufstrebenden Länder Afrikas: Sie sind Teil der globalisierten Welt geworden. Mit der neuen Mittelschicht als Teil der globalen Wissens- und Kommunikationsgesellschaft. 3. Labor der Zukunft – Dort wo Globalisierung und Digitalisierung auf der „grünen Wiese“ aufeinandertreffen, entstehen ganz neue soziale Innovationen. Siehe Silikon Savanna und Mobile Banking. 4. Globale Machtverschiebung – Nach dem Aufstieg Europas zur dominierenden Weltmacht ab dem 15. Jahrhundert und dem Beginn der globalen Dominanz der USA zum Ende des 19. Jahrhunderts erleben wir derzeit die „dritte globale Machtverschiebung der Neuzeit“ (Fareed Zaccharia): den Aufstieg der restlichen Länder. Inklusive einer kritischen Masse afrikanischer Länder. Alle drei Bücher zeigen zeigen das andere Afrika – das Afrika der Vitalität, Realwirtschaft und wirtschaftlichen Dynamik. Die Flüchtlingsdebatte fokussiert aber nun den Blick der Öffentlichkeit wieder auf das Afrika der Armut und Katastrophen. Dabei kann es das andere Afrika sein, das den Schlüssel zur Lösung der Flüchtlingskrise in Europa darstellt.    

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